21.08.2019, von Frank Winterfeldt

Rückblende: Vor 25 Jahren - Auslandseinsatz in Goma/Zaire

Innerhalb weniger Monate wurden in Ruanda, einem kleinen zentralafrikanischen Land, rund 800.000 Menschen getötet. Dem Völkermord folgte eine zweite Katastrophe: rund 2 Millionen Menschen flüchteten aus Ruanda in die Nachbarstaaten Burundi, Tansania, Uganda und Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kongo, in eine ungewisse Zukunft, ohne ausreichende Ver- und Entsorgungsstrukturen.

Um keine Spannungen zwischen Geflüchteten und einheimischer Bevölkerung aufkommen zu lassen, versorgte das THW auch die Bewohner von Goma mit sauberem Trinkwasser.

Die Masse der Flüchtlinge ließ sich rund um die zairische Hafenstadt Goma nieder. Innerhalb weniger Wochen stieg dort die Bevölkerungszahl von rund 100.000 Menschen auf über eine Million an.

Größtes Problem für den UNHCR, den Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen, war die Versorgung der Menschen mit sauberem Trinkwasser. Im Auftrag des Bundesministeriums des Innern und auf Ersuchen des Auswärtigen Amtes half das THW bei der Trinkwasserversorgung der Flüchtlinge und der einheimischen Bevölkerung. Jeweils 70 Helferinnen und Helfer schickten die Planer in der Bonner THW-Leitung und aus dem Landesverband Baden-Württemberg auf dem Luftweg mit Chartermaschinen für rund vier Wochen nach Goma. Die gesamte Ausstattung, Fahrzeuge, Trinkwasseraufbereitungsanlagen, Schläuche, Chemikalien für die Wasseraufbereitung und die Analyse, Wasserblasen, Zelte, Feldbetten, Pumpen, alles benötigte Equipment musste ebenfalls auf dem Luftweg mit Antonov-Frachtmaschinen nach Afrika transportiert werden. Am Kivusee produzierte das THW mit seinen leistungsfähigen Trinkwasseraufbereitungsanlagen bis zu zwei Millionen Liter sauberes Trinkwasser täglich. Zehn eigene LKWs mit Wasserblasen und Tankfahrzeuge der internationalen Hilfsorganisationen wurden am eigens erbauten Wasserturm, oberhalb des Hafens in Goma, mit sauberem Trinkwasser befüllt. Über die mit erkalteter Lava des Vulkans Nyiragongo bedeckten Straßen ging es dann auf verschiedenen Routen zu den Menschen in den Flüchtlingslagern rund um Goma und an Abladestellen in der Stadt Goma. Nach Erhebungen des UNHCR trug die regelmäßige Trinkwasserversorgung zu einem signifikanten Rückgang der täglichen Todesfälle bei. Ende Juli 1994 starben fast 7000 Menschen täglich in den Flüchtlingslagern.

Vor Ort wurden die Einsatzkräfte mit viel Not und Elend, den Schicksalen von Tätern und Opfern, schlechten hygienischen Voraussetzungen, schlechten Lebensumständen und extremen Wetterbedingungen ganz direkt konfrontiert. Auch 25 Jahre nach dem Einsatz sind diese Erfahrungen bei vielen beteiligten Helfern immer noch präsent und so manche Alltagssorgen in Deutschland treten in den Hintergrund.

Rund 600 Helferinnen und Helfer vom THW aus der gesamten Bundesrepublik waren von Juli 1994 bis April 1995 unter Führung von Dipl. Ing. Basil al Naqib aus der THW-Leitung mindestens vier Wochen in der größten Flüchtlingskrise vor Ort im Einsatz. Durch ihren Einsatz konnte sauberes Trinkwasser fachgerecht aufbereitet und in ausreichender Menge an Flüchtlinge und Bewohner der Stadt Goma verteilt werden. Mit diesem wichtigen Beitrag konnte den betroffenen Menschen das Überleben in dieser Krisenlage gesichert werden.

Vom OV Pforzheim nahmen in verschiedenen Teams insgesamt fünf Helfer am größten und längsten Auslandseinsatz der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk teil. Alle Helfer kehrten wohlbehalten und mit außergewöhnlichen Eindrücken zurück. Drei von ihnen starteten im November 1996 zum nächsten Auslandseinsatz. Hauptaufgabe war es, zurückkehrende Flüchtlinge nach Ruanda in ihrem Heimatland mit Trinkwasser zu versorgen. Rechtzeitig zur Bescherung am Heiligen Abend 1996 kehrten sie auch aus diesem Auslandseinsatz zurück.


  • Um keine Spannungen zwischen Geflüchteten und einheimischer Bevölkerung aufkommen zu lassen, versorgte das THW auch die Bewohner von Goma mit sauberem Trinkwasser.

  • Lebensmittel, wie hier Bananen, wurden mit Einbäumen über den Kivusee transportiert

  • Im Flüchtlingslager Himbi verwandelte er viele graue THW-Latzhosen in praktische Gürtelhosen: der Schneider von Himbi

  • Hallo Muzungu: Trotz der bedrückenden Lebenssituation in den Flüchtlingslagern hatten die Kinder immer Spaß, wenn die Muzungus (afrikanische Bezeichnung für hellhäutige Menschen) in ihren hellblauen Outfits mit ihren blauen LKWs kamen, frisches Trinkwasser lieferten und so für Abwechslung im eintönigen Lageralltag sorgten.

  • Flüchtlingszelte bis an den Horizont rund um die Hafenstadt Goma im damaligen Zaire (heute: Demokratische Republik Kongo)

  • Über eine Million Menschen flüchteten nach Goma. Blick aus einem Wassertanker des THW auf die mit Flüchtlingen überfüllte Straße bei Goma

  • Das Basislager des Technischen Hilfswerks am Hafen von Goma, direkt am Kivusee. Von dort starteten die LKW des THWs, erfolgte die Wartung und Instandsetzung von Fahrzeugen und Equipment in der Schirrmeisterei, schliefen die Helferinnen und Helfer in Zelten, wurde das umfangreiche Material gelagert und die Einsatzkräfte versorgt. Große Industriewaschmaschinen und einheimische Kräfte sorgten für saubere Arbeitskleidung. Am Kivusee wurden die Trinkwasseraufbereitungsanlagen aufgebaut und mit Pumpen das Rohwasser aus dem See entnommen, aufbereitet, chloriert, gesammelt, in Rohrleitungen auf den Wasserturm gepumpt und dann an die Tankfahrzeuge abgegeben.

  • Sinnbild für effektive Hilfe: der provisorische Wasserturm oberhalb des Hafens von Goma

  • Lokale Kräfte, wie hier im Waisenkinderlager Buhimba, wurden vom THW eingestellt und ausgebildet, damit sie selbstständig die Wasseraufbereitung durchführen konnten.

  • Arbeitsplatz des "Bademeisters", des Trinkwasserlaboranten, der sowohl das Roh- als auch das Reinwasser untersucht. Im Container ist das komplette Trinkwasserlabor luftverlastbar untergebracht. Mit der ständigen Überwachung des Trinkwassers sichert der Laborant die Qualität des abgegebenen Wassers.

  • Schulbetrieb im Flüchtlingslager Buhimba unter freiem Himmel

  • Lokale Hilfskräfte und THW-Einsatzkräfte arbeiteten eng zusammen. Zur umfangreichen Ausstattung des THW gehörte auch ein geländegängiges Krad.

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